Geschichte

2. Jhdt.

Zeitgleich mit dem Legionslager Lauriacum entstehen westlich und nordwestlich davon neu angelegte Siedlungsbereiche. Die ältesten, bei den Grabungen der sechziger Jahre des 20. Jhs. freigelegten und in der Unterkirche unter der Basilika St. Laurenz konservierten Mauern, gehören zu einem mindestens 34 m langen und über 20 m breiten Gebäude. Es handelt sich um ein vom späten 2. bis ins 4. Jh. n. Chr. bestehendes, mehrfach baulich verändertes Haus. Vielleicht ist es das Wohngebäude des Legionskommandanten, der zugleich auch Statthalter der Provinz Noricum gewesen ist.

304

Florian, der nicht mehr im Amt befindliche ehemalige Leiter der Kanzlei des zivilen Statthalters, wird nach einem Verhör und verschiedenen Foltern mit einem um den Hals gebundenen Stein am 4. Mai von der Ennsbrücke aus in den Fluss gestürzt. Er ist der einzige namentlich bekannte Martyrer des frühen Christentums auf dem Gebiet des heutigen Österreichs. Es ist anzunehmen, dass weitere ChristInnen, darunter bestimmt auch Frauen, ebenfalls wegen ihres Glaubens hingerichtet worden sind.

311

Am 30. April 311 hebt Kaiser Galerius kurz vor seinem Tod alle Maßnahmen gegen die Christen auf, er beendet damit die Christenverfolgungen und ordnet die Duldung des Christentums im Römischen Reich an.

313

Im Februar treffen sich die beiden Kaiser Constantin und Licinius in Mediolanum (Mailand) und erklären das Christentum zur religio licita, zur erlaubten, staatlich anerkannten Religion. Kirchen, gottesdienstliche Räume, Grundstücke und der in den Verfolgungen konfiszierte Besitz sind unverzüglich zurückzuerstatten.

1. H. 4. Jhdt.

Ein beheizbarer Saal mit einer nach Osten orientierten Apsis wird in den bestehenden Gebäudekomplex im Bereich der heutigen Basilika St. Laurenz eingebaut. Er findet für öffentliche staatliche Zeremonien Verwendung.

5. Jhdt.

Der ursprüngliche Apsidensaal wird vermutlich im 5. Jh., der Zeitpunkt lässt sich nicht genauer bestimmen, durch umfangreiche Umbauten und Adaptierungen zu einer frühchristlichen Kirche mit einer größeren Apsis, Altar und freistehender, hufeisenförmiger Klerikerbank umgestaltet. Eine im Boden östlich des Altares angelegte Reliquienkammer enthielt vermutlich einen antiken Steintrog mit den mutmaßlichen Reliquien der namenlosen Gefährten des hl. Florian. Es handelt sich daher wahrscheinlich um eine Memorialkirche für die Martyrer von Lauriacum.

482

Am 8. Jänner 482 stirbt der hl. Severin in Favianis/Mautern. In dem von Eugippius 511 abgeschlossenen commemoratorium („vita Severini“) wird in Lauriacum ein Bischof Constantius erwähnt, es ist der einzige nachweisbare Bischof an der österreichischen Donau. Severin versammelt die Bedürftigen in una basilica, wo er Olivenöl an die Armen verteilt. Es könnte sich dabei um eine Klosterkirche außerhalb der Siedlung handeln, vielleicht ist es die unter der Basilika St. Laurenz nachgewiesene frühchristliche Kirche. Im ehemaligen valetudinarium (Lagerspital) existiert in dieser Zeit eine zweite frühchristliche Kirche oder besser gesagt ein in einen Korridor eingebauter Kirchenraum, möglicherweise ist dies die Bischofskirche von Lauriacum innerhalb der schützenden Mauern des Legionslagers. Die daraus hervorgegangene bedeutende Wallfahrtskirche Maria Anger wird im Zuge der josephinischen Reformen geschlossen und schließlich abgetragen. Bischof Constantius übernimmt nach Severins Tod die Ausbildung seines Neffen Antonius (von Lérins) zum Kirchenschreiber.

488

Auf Befehl Odoakars werden die Romanen aus dem rugischen Einflussbereich um Favianis (Mautern) zwangsweise abgesiedelt und unter militärischem Schutz ins italische Kernland gebracht. Die Romanen Lauriacums sind davon nicht betroffen.

Um 615

Eustasius und Agilus aus dem burgundischen Kloster Luxeuil kommen ins Herzogtum Bayern und lernen hier (wohl im Bereich von Lauriacum) die Verehrung des hl. Florian kennen.

Um 696

Der Wormser Bischof Rupert kommt spätestens 696 nach Salzburg, zuvor fährt er mit dem Schiff von Regensburg die Donau abwärts und heilt in Lauriacum Kranke durch sein Gebet.

711-712

In dieser Zeit erfolgt der einzige Vorstoß der Awaren über die Enns.

791

Im Spätsommer versammelt sich in Loraha/Loriaca (entstanden aus dem antiken Ortsnamen Lauriacum) das fränkische Heer unter Führung König Karls (des Großen) vor dem Feldzug gegen die Awaren. Zwischen 5. und 7. September 791 wird ein dreitägiges Fasten abgehalten, um den Sieg über die Awaren zu erbitten. Noch am 20. September halten sich hochrangige geistliche und weltliche Würdenträger hier auf.

899

In der ersten Erwähnung der Laurentius-Kirche heißt es, dass die Reliquien des hl. Laurentius in einer Kirche ruhen, die bei der civitas Lahoria außerhalb der Mauern (des ehemaligen Legionslagers) errichtet ist.

971-991

Bischof Pilgrim von Passau versucht durch Urkundenfälschungen unter Rückgriff auf das spätantike Christentum (u. a. Bischof Constantius von Lauriacum) die Diözese Passau zu einem von Salzburg unabhängigen Erzbistum zu machen.

1158

In einer Urkunde ist zum ersten Mal ein Pfarrer von Enns namentlich genannt, er heißt Cazelinus.

Um 1290

Die wegen ihres Alters – es ist das spätantike Kirchengebäude des 5. Jahrhunderts – baufällige Laurentius-Kirche wird von den Ennser Bürgern abgetragen und im gotischen Stil neu errichtet.

1318

Papst Johannes XXII. stellt in Avignon einen Ablassbrief für die Laurentius-Kirche aus, den der Passauer Bischof 1323 bestätigt.

1344

Die Bauarbeiten an der dreischiffigen gotischen Basilika, deren erhöhtes Mittelschiff mit Maßwerk versehene Rundfenster besitzt, sind abgeschlossen und die Kirche wird geweiht.

14. Jhdt.

Das nördliche und südliche Seitenschiff werden mit Fresken geschmückt.

1478

Die bestehende Sakristei wird vergrößert.

1480

Abschluss der Arbeiten am gotischen Sakramentshäuschen im Presbyterium, in dem heute Reliquien des hl. Severin aus Frattamaggiore bei Neapel und ca. 1500 Reliquien des syrisch-orthodoxen Reliquienforschers Pater Timotheos (Alois Stumpfl) untergebracht sind.

1486

Der heute nicht mehr bestehende Fronleichnamsaltar am Westende des nördlichen Seitenschiffes erhält ein eigenes Sakramentshäuschen, das jetzt am Chorbogen angebracht ist.

Um 1500

Eine erhaltene „Dienstordnung“ überliefert den genauen Ablauf der liturgischen Feiern beim Kirchweih- und Patroziniumsfest in der Pfarre Enns, die Pfarrkirche St. Laurenz hat damals einen Haupt- und mindestens acht Seitenaltäre, und gewährt Einblick in das spätmittelalterliche liturgische Leben in der Stadt.

Um 1530

Entstehungszeit des spätgotischen Chorbogenkreuzes.

1553

König Ferdinand I. verlegt durch das Reformdekret vom 22. August die Pfarrrechte von St. Laurenz in die ehemalige Minoritenkirche St. Marien innerhalb der Stadt, die bisherige Pfarrkirche erhält die Funktion einer Friedhofskirche.

1626

Ein Teil des gotischen Gewölbes des Mittelschiffes der Laurentius-Kirche stürzt ein. Das kaum wieder hergestellte Gewölbe bricht zwei Jahre später, 1628, erneut ein. Durch das tiefer ansetzende, heute noch vorhandene frühbarocke Stichkappengewölbe verliert der gotische Lichtgaden seine Funktion.

1633

Neueinteilung der Dekanatsbezirke: das Dekanat Enns umfasst die Stadt Enns und Pfarren östlich der Enns in Niederösterreich.

1647

Ein durch Blitzschlag am 23. Juli entstandener Brand zerstört das hohe gotische Dach des Turmes und das der Kirche.

1673

Durch die Erhöhung der Dachkonstruktion der Seitenschiffe sind die gotischen Rundfenster des früheren Lichtgadens auch von außen nicht mehr sichtbar.

1680-88

Einbau einer Empore am Westende des Mittelschiffes.

1715

Pfarrer Johann Georg Bonbardi lässt ein von Georg Wolfgang Dallinger gemaltes neues Hochaltarbild anbringen, es zeigt das Martyrium des Kirchenpatrons Laurentius.

1728

Der Passauer Bischof Joseph Dominicus von Lamberg erhält am 12. Oktober in der Laurentius-Kirche in Lorch die päpstliche Bulle Papst Benedikt XIII. überreicht, in der die Exemption des Bistums Passau von Salzburg und ihm die Kardinalswürde zugesichert werden.
Das aus diesem Anlass angefertigte monumentale Gemälde mit den Darstellungen von 29 (angeblichen) Metropoliten von Lorch und Erzbischöfen von Passau ist heute so wie das ehemalige Hochaltarbild im Presbyterium angebracht.

1893-1902

Ministerium, Statthalterei, Landesbehörden, Pfarre Enns und Musealverein Enns veranlassen und finanzieren die dringend notwendigen Restaurierungsarbeiten an und in der Laurentius-Kirche.

1900

Am 12. Oktober wird im gotischen Hochalter der Kirche ein antiker Steintrog entdeckt, der, wie spätere Untersuchungen ergeben haben, die Gebeine von mindestens 31 Personen (allerdings keine vollständigen Skelette) enthält, die in einen spätantiken Stoff aus dem 4.-6. Jh. eingehüllt sind.

1901

Nach einem Entscheid der Ritenkongregation in Rom und des bischöflichen Ordinariates Linz werden die Knochen und Gewebereste am 17. April an der Kirchenmauer neben der Sakristeitür begraben.

1944

Eberhard Marckhgott, der damalige Kirchenrektor und Lokalkaplan von Lorch, bemüht sich gemeinsam mit dem Reliquienforscher P. Timotheos (Alois Stumpfl) um die Wiederauffindung und Untersuchung der Gebeine, die am 4. Mai im südlichen Seitenschiff beigesetzt werden.

1960

Auf Initiative von Dr. Eberhard Marckhgott, dem späteren langjährigen Pfarrer von Enns-St. Laurenz und Generaldechant, finden in der Laurentius-Kirche archäologische Grabungen des Oberösterreichischen Landesmuseums unter der Leitung von Dr. Lothar Eckhart statt. Sie bringen die eindrucksvollen Grundmauern der Vorgängerbauten ans Licht und bezeugen ein bauliches Kontinuum seit 1800 Jahren und ein kirchliches Kontinuum von 1500 Jahren.

1962

Wegen der archäologischen Untersuchungen müssen die Gebeine der Märtyrer von Lorch am 11. Oktober in Anwesenheit einer Kommission erneut gehoben werden.

1968

Am 1. Jänner tritt die Pfarrteilung in Enns in Kraft – fortan gibt es die beiden Pfarren Enns-St. Marien und Enns-St. Laurenz.
Seit dem 3. Mai 1968 ruhen die vermutlichen Reliquien der Lorcher Martyrer in einem Plexiglasbehälter wieder im antiken Steintrog im neuen Hochaltar der Laurentius-Kirche.
Papst Paul VI. erhebt Lauriacum zum ersten Titularerzbistum in Mitteleuropa. DDr. Gerolamo Prigione wird Titularerzbischof von Lauriacum, er ist im diplomatischen Dienst des Vatikan tätig.

1970

Durch ein Dekret Papst Paul VI. erhält die Laurentius-Kirche von Lorch den Ehrentitel einer päpstlichen „Basilica minor“.
Peter Dimmel gestaltet das Floriantor an der Südseite der Basilika.

1971

Peter Dimmel gestaltet das Severintor an der Westseite der Basilika.

1976

Die Lorcher Orgel aus der Orgelwerkstätte Kögler mit 1758 Pfeifen und dem Orgelprospekt von Fritz Fröhlich wird errichtet. Augustinus Franz Kropfreiter, der unter Mitwirkung von Anton Heiller die Registrierung ausführt, widmet ihr sein berühmtes “Signum”.

1985

Das bronzene Auferstehungstor von Peter Dimmel wird an der Nordseite der Kirche eingesetzt.

1988

Papst Johannes Paul II. besucht am 25. Juni 1988 die Basilika St. Laurenz und betet vor dem Altar mit den sterblichen Überresten der Martyrerinnen und Martyrer von Lauriacum.

1999

Der "Stern der Hoffnung", das Lebenswerk des Kunstschmieds Wolfgang Pöttinger, wird in der Apsis der Basilika angebracht.

2003

Das Oberösterreichischen Archäologiejahr und sein Projekt "Worauf wir stehen" arbeiten die Bedeutung der Funde von Lauriacum/St. Laurenz im Kontext moderner Erkenntnisse neu heraus.

2004

Florian von Lorch wird anlässlich seines 1700. Todestages zum Landespatron von Oberösterreich erhoben.

2013

Die Ausstellung “gegossen – geschmiedet – geschnitten” widmet sich den zahlreichen aus Metallen geschaffenen Kunstwerken unserer Basilika.

2017

Der Bildhauer Arnold Reinthaler installiert auf dem Vorplatz der Basilika das "Lorcher Zeitfenster" (Messing auf Granit) und verlockt die Besucherinnen und Besucher, die Geschichte im wahrsten Sinn des Wortes zu betreten.

2018

Die oberösterreichischen Landesausstellung "Die Rückkehr der Legion. Römisches Erbe in Oberösterreich" führt zahlreiche Gäste auf die römischen Spuren von Lauriacum.